1460 ha u. 750 Einw.

Die Gemeinde Miesenbach, die bis zum Jahre 1965 Gemeinde Weiglhof geheißen hat, liegt, begrenzt von einem Kranz mittelhoher Berge (Norden: Presenberg mit Wildwiese 1256m, Floisen Kg.1217m; Osten: Filzmoosberg 1085m, Wachholz 1046 m; Süden: Zeiseleck 1078 m, Rohrhofer Kg.1000m; Westen: Langser Höhe 1045m) in der nordöstlichen Oststeiermark in einem von Birkfeld nach Osten ansteigenden Seitental der oberen Feistritz.
Das gleichnamige "Erholungsdorf Miesenbach" breitet sich auf einer leicht nach Westen und Osten abfallenden Hochfläche von 827 m aus. Das Gemeindegebiet wird vom Berglerbach (Wildwiese), dem Vorderen Rothallerbach (Kreuzwirt) dem Hinteren Rothallerbach (Flois) und dem Finsterbach ( Franzl i. Bühl) entwässert. Bei der Hornschmiedmühle (Fischer) vereinigen sich Berglerbach und Rothallerbach und bilden zusammen den Miesenbach. Dieser nimmt bei der neuen Kläranlage den Finsterbach und als Grenzbach zur Gemeinde Strallegg, in Außeregg, den Rannbach auf und mündet in Birkfeld Edelsee in die Feistritz.
Überregional gehört Miesenbach zum Strallegger Bergland und nach altem Erzählschatz aus der Zeit der Kaiserin Maria Theresia zum Joglland (Jakob =Jogl). Danach soll die beliebte Monarchin eines Tages die Oststeiermark bereist haben und in Mönichwald, Waldbach. St.Jakob, Wenigzell, Strallegg und Miesenbach Männer nach ihrem Namen gefragt und jedesmal die Antwort erhalten haben: "Jogl hoaß i!" Als sie nach Wien zurückkam erzählte sie, dass sie ein neues Land entdeckt habe, das Joglland.


Aus der Frühgeschichte
In der Steiermark ist die Anwesenheit von Menschen seit der Altsteinzeit durch Höhlenfunde dokumentiert. Im Gebiet des Strallegger Berglandes fehlen solche Funde zur Gänze. Während der letzten vier Jahrhunderte vor Christus gibt es zahlreiche Funde um Weiz. Auch die Römerzeit hat im Gebiet um Weiz und Pöllau ihre Spuren hinterlassen. Römersteine (Prätis, Piregg) zeugen davon.
Während der Völkerwanderung um das Jahr 400 n.Chr. setzten die Anstürme der germanischen Völker aus dem Nordosten ein. Auf ihrem Durchzug durch Norikum und Pannonien in Richtung Italien suchten sie auch unser Land heim; so 408 die Westgoten unter Alarich und 451 die Hunnen unter Attila. Damals blieb nur ein geringe Bevölkerungsschicht hier sesshaft. Um das Jahr 568 wanderten in dieses fast entvölkerte Land die aus dem Osten kommenden Slawen ein. Slawische Namen markieren jene Gebiete, die besiedelt oder zumindest begangen wurden. So weist der Name Presenberg (Wildwiese) nördlich von Miesenbach auf slawischen Ursprung hin. breza= Birke oder preseka=Durchhieb, für einen in den Wald gehauenen Übergang.


Anfänge der Besiedlung
Die Awaren, aus der ungarischen Tiefebene kommend, bedrängten um die Mitte des 8. Jahrhunderts n.Chr. die Karantaner Slawen. Diese riefen den bairischen Herzog zu Hilfe und der, sowie später Karl der Große bzw, dessen Sohn, vertrieb die Awaren, worauf Karantanien ein Teil des Herzogtums Baiern bzw.des fränkischen Reiches wurde. Damit war die Voraussetzung für die bairische Besiedlung und Christianisierung unserer Heimat geschaffen. So erfahren wir aus einer Urkunde aus dem Jahre 860 n.Chr., dass König Ludwig der Deutsche dem Salzburger Erzbischof eine Reihe von Königshöfen in Karantanien und Panonien schenkte, von denen immerhin vier auf dem Gebiet der heutigen Oststeiermark lagen. Der eine Herrenhof dürfte bei St. Ruprecht an der Raab, der zweite im Raume Weiz, der dritte an der Safen und der vierte Herrenhof im Raum St.Veit a.V. gelegen sein. Diese Siedlungen dürften mit dem Einbruch der Magyaren, die die gesamte Oststeiermark bis zum Mons Predel (Rieshöhe) eroberten, zerstört und die Menschen vertrieben worden sein.
Die Oststeiermark wurde erst unter Kaiser Heinrich III. (1042-1044) zurückerobert und die Grenze an die Lafnitz vorgeschoben, womit die heutige Landesgrenze erreicht war. Östlich davon begann bis 1921 Ungarn.
Die dominierende Adelsfamilie in der Mittelsteiermark war damals das bairische Pfalzgrafengeschlecht der Aribonen.
Eine zielstrebige Besiedlung der Oststeiermark setzte erst mit Ende des Investiturstreites (zwischen Kaiser und Papst) durch das Wormser Konkordat des Jahres 1122 und durch die Übernahme der Mark durch die Otakare oder Traungauer ein. Sie hatten aus dem Erbe der Aribonen das Gebiet südlich der Fischbacher Alpen und des Masenberges bis zur Lafnitz erhalten. Den Landstrich zwischen Masenberg und Feistritz mit dem Strallegger Bergland bekam das Adelsgeschlecht der Stubenberger. Der erste Stubenberger war ein kleiner Hochfreier bei Stadelkirchen im Traungau.Von dort waren auch die Otakare gekommen, weshalb sie als Traungauer bezeichnet werden. Nach ihrem dortigen Hauptsitz, der Burg Steyr, hat die Mark an der Mur den Namen Steiermark erhalten. Das ererbte Gebiet zwischen Masenberg und Feistritz teilten die Söhne Wulfings von Stubenberg 1160 unter sich. Otto I. erhielt den Pöllauer Kessel, Gottschalk Schirling (Burg Neuberg) die Herrschaft Neuberg und Anteile an Rodungen von Strallegg und Miesenbach. Gottschalks Sohn, Rudolf von Neuberg, erhielt Burg Frondsberg als Lehen vom Salzburger Erzbischof, erbaute die Burg Stadeck bei Graz (Gründer der Stadecker Linie) und erhielt schliesslich 1270 die Herrschaft Wachsenegg als Lehen und damit das Gebiet von der Feistritz bis zum Miesenbach.

 

15. Juli 1240 n.Chr.:
Erste urkundl. Nennung des Namens Miesenbach:
Die Streitigkeiten zwischen Bischof Heinrich von Seckau und Wulfing von Stubenberg über Zehentrechte werden auf Befehl des Salzburger Erzbischofes und Herzog Friedrich II. durch Schiedsrichter zugunsten des Bischofs von Seckau entschieden. Unter anderem wird auch "misenpah"erwähnt.

(Bisher galt, dass Miesenbach im Jahre 1318 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach mehreren Gesprächen mit Univ. Doz. Dir. Dr. Walter Brunner vom StLA und einigen Besuchen im Steirischen Landesarchiv konnte Dir. Erhard Mariacher schließlich die älteste Original- Urkunde, die bisher bekannt ist, persönlich besichtigen und Händen halten. Sie wurde am 15. Juli 1240 in Passail ausgestellt


1268/69 n. Chr.:
Miesenbach im Marchfutterurbar:
Die Bauern von Miesenbach werden als marchfutterpflichtig angegeben. Der genaue Wortlaut: "Item in Misenpach 40 den.pro avena." Die Miesenbacher Bauern mussten Hafer bzw.Geld für die Pferde der Soldaten abliefern, die an der Ostgrenze (Mark=Grenze) stationiert waren.


1318 n. Chr.:
Miesenbach im Seckauer Lehensbuch:
Der genaue Wortlaut:"Item silvam circa Myesenpach cum quibusdam pratis."
Das heisst: "Ebenso einen Wald bei Miesenbach mit einigen Wiesen"


1354 n. Chr. :
Erste Nennung des "Weiglenshoff"
Gottschalk von Neuberg schenkte den Weiglenshoff (Verkleinerungsform des Kosenamens Weigkl oder Weigl vom Vornamen Weichard oder Weikart) dem Stift Vorau, damit aus den Zinserträgnissen für sein und seiner Verwandten Seelenheil ein Jahrtag mit Seelengottesdienst in der Stiftskirche gehalten werde.


23. 4. 1396 n.Chr.:
Erste Nennung eines Dorfes Miesenbach
Im Ortsnamenbuch der Steiermark im Mittelalter heißt es: "Miesenbach, Gegend und Dorf ebendort, 1396 "Misenpach"


1482 n.Chr.:
Das Testament Hans III. von Neuberg:
Hans III. von Neuberg verfügt, dass für den Unterhalt eines Kaplans die Gült Penzendorf, ein Haus in Pöllau samt Grund, sowie ein Weingarten in Miesenbach bestimmt sind.


1573 n.Chr.:
Gerichtsbarkeit in Miesenbach:
Nach dem Wortlaut des "panthädingspüechel" von Strallegg 1573, hatten die Miesenbacher und Strallegger besondere Gerichtsrechte. Im Originalwortlaut heisst es: "Wo ain schädlich man war in den zwaien pharren Strallegk und Miesenpach und an warer tatt pegriffen wurt, so sollen die drei ambtleut nach im greifen und sollen in am dritten tag richten am Grössenperg; ob er aber übersäß und nicht gericht wurt, so antwordt man im auf die Wolfgrueben dem richter zu Pölan; und was man bei ime pegreift,das ist der hisigen ambtleut anstatt ierer herrschaft."


1666 n.Chr.:
Das Spielhofer Kreuz: (GemeindeStrallegg)
Das Spielhofer Kreuz (Schwülhofer Kreuz) erinnert an die Zeit der Pestepidemien und die Angst der Menschen vor dieser Seuche.


1704 n.Chr.:
Die Kuruzzeneinfälle:
1704 erhielt das Stift Pöllau einen Brandbrief der Kuruzzen, worauf der Probst Johann Ernst von Ortenhofen einen 200 Schritt langen Wall unter Pöllau aufwerfen liess. Dieser Wall sollte von den Untertanen aus Prätis, Zeil, Kalchegg, "Miessenpach und dem Strallegger Ambt", die sich am 26.Juli 1704 mit 350 Mann zur Wacht stellen sollten, besetzt werden. Die Bauern blieben bis Ende August und wurden vom Stift mit Fleisch, Wein und Getreide versorgt. Pfarrer Peyerl aus Strallegg schreibt in seine Chronik: "Gott schütze jeden vor solchen grausamsten Feinden, die lebenden Teufeln gleichen!"


1761 n.Chr.:
Erste Einwohnerstatistik:
Erstmals gab es 1761 eine genaue Einwohnerstatistik für die Ämter der Stiftsherrschaft Pöllau: Im Amt Miesenbach lebten in 49 Häusern 280 Einwohner. 1770 bestanden in Miesenbach 100 Haushalte


1713 n.Chr.:
Die Pest in Miesenbach und Strallegg:
Als 1710 in Ungarn die Pest ausgebrochen ist, wurden die Wege und Zufahrtstrassen durch Verhaue und Verhackungen unpassierbar gemacht.Das konnte aber nicht das Vordringen der Pest nach Miesenbach verhindern,wo der "Schwarze Tod" reiche Ernte hielt.


1817 n.Chr.:
Franziszeischer Kataster
Von Kaiser Franz Josef I. 1817 angeordnet und 1825 fertiggestellt, wurde der Franziszeische Kataster nach Steuergemeinden erstellt. Die damals vergebenen Grund- und Bauparzellennummern sind grösstenteils heute noch gültig.


1848 n.Chr.:
Das Ende der Grundherrschaften:
1770 erhielt erstmals jedes Haus eine eigene Nummer, die Konskriptionsnummer. Als Konskribieren bezeichnete man das Ausheben von Truppen. 1786 wurde von Seiten der Grundherrschaft bzw. Werbbezirksobrigkeit Pöllau ein eigener Gemeinderichter (nicht mit dem einstigen, von der Nachbarschaft gewählten Dorfrichter oder Suppan gleichzusetzen) mit zwei oder drei geschworenen Ausschussmitgliedern bestellt.
Im Revolutionsjahr 1848 wurde der grundherrschaftliche Untertanenverband aufgehoben. Ab 1860 durften die Gemeindebewohner ihre Vertreter wählen. Bis 1897 galt das Zensuswahlecht, das die Arbeiter, Kleinbesitzer, Keuschler und Dienstboten vom Wahlrecht ausschloss. 1902 durften erstmals Arbeiter und Dienstboten wählen. Erst im Jahre 1907 wurde das allgemeine, direkte und gleiche Wahlrecht für alle männlichen, grossjährigen Staatsbürger eingeführt. Die Frauen blieben bis 1919 vom Wahlrecht ausgeschlossen.